Dorsten, Hansestadt an der Lippe

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Schlüsselmoment Bärbel Richter„Es war eine wunderschöne Zeit“

So spricht Bärbel Richter von der Zeit als Schützenkönigin. Als sie geboren wurde, war ihr Vater Schützenkönig, sehr viel später ihre Mutter Königin und nach ihr hat ihr Bruder sogar zweimal hintereinander den Vogel abgeschossen. Doch von langer Hand geplant war die Regentschaft keinesfalls: „Am Abend zuvor hat Rudi Einhaus zu mir gesagt: Wenn ich den Vogel runterhole, dann wirst du meine Königin. Da musste ich nicht lange nachdenken. Am nächsten Morgen an der Vogelstange waren wir sehr aufgeregt. Rudi war tatsächlich erfolgreich und wurde König und ich seine Königin. Der stellvertretenden Bürgermeister Fragemann hat mir dann die Krone aufgesetzt. Anschließend musste improvisiert werden, denn wir waren ja nicht darauf eingestellt.“, schmunzelt die Hervesterin.

Heute möchte die vierfache Mutter die zweijährige Amtszeit nicht missen. „Es war im Nachhinein der perfekte Zeitpunkt, um Schützenkönigin zu werden. Viele schieben es vor sich her. Auch für uns war es keineswegs leicht; die Männer waren teilweise beruflich sehr eingespannt und wir alle hatten kleine Kinder. Aber wir hatten tolle zwei Jahre, in denen wir viele nette Leute kennengelernt haben“, so die Architektin. Zusammen mit ihrem König Rudi Einhaus und ihrer Throngemeinschaft besuchte sie andere Schützenfeste in Dorsten und repräsentierte dort Dorf Hervest. „In dieser Zeit ist der König nochmal Vater und ich ein weiteres Mal Mutter geworden. Da gab es natürlich eine schöne Prinz-und-Prinzessin-Party. Ich weiß gar nicht, wie wir das viele Feiern trotz der kleinen Kinder geschafft haben.“, lacht sie.

Für Bärbel ist der Schützenverein in Dorf Hervest ein wichtiger Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Hier findet sich ein enormer Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl ist besonders in den Schützenfestjahren groß. Das Highlight ihrer Amtszeit war definitiv der Abschluss der Regentschaft. Zunächst durfte die Throngemeinschaft bei der Parade in der Kutsche bei schönstem Wetter an den Hervester Schützen vorbeifahren. Die zwölf Kinder, die die Thronpaare zu dem Zeitpunkt hatten, fuhren in einer Extra-Kutsche hinterher. Abends gab es dann den Königsball im Zelt, der bis in den frühen Morgen dauerte. Bärbel hat in ihrem Leben bisher kein Schützenfest verpasst und auch jetzt ist sie immer dabei und begleitet ihren Mann, den Vorsitzenden des Schützenvereins Dorf Hervest, gerne zu den Festen. Ihre Thronpaare, die sie teilweise aus der Kindheit kennt, gehören immer noch zum engen Freundeskreis. In den letzten Jahren musste sie allerdings beobachten, dass es immer weniger Anwärter auf die Königswürde gibt. Viele scheuen die Kosten und den Zeitaufwand. Bärbel Richter findet das schade und plädiert für das weitere Fortbestehen der Schützentradition. „Diese Tradition darf nicht aussterben, sie ist wichtig für die Stadt und die Identifikation ihrer Bürger mit ihr.“ lächelt sie.

Schlüsselmoment Heinz-Rüdiger Kühn„Ich wollte auf keinen Fall woanders wohnen. Es musste Habiflex sein“

So spricht Heinz-Rüdiger Kühn, von seiner damaligen Wohnungssuche. 1975 hat er seine erste Stelle als Lehrer in Alt-Wulfen bekommen und begab sich mit seiner Frau auf Wohnungssuche. Nachdem sie sich mehrere Objekte angeschaut haben, hatte eine Kollegin seiner Frau die beiden auf ein experimentelles Wohngebäude in Barkenberg aufmerksam gemacht: Das Habiflex. Das Bauwerk wurde gerade im gleichen Jahr fertig und stoß aufgrund seiner flexiblen Wohnungsgrundrisse sofort auf Begeisterung beim architekturinteressierten Heinz-Rüdiger. „Für mich war das ein Unikat. Ich wollte auf keinen Fall woanders wohnen. Wir sind dann als letztes dort eingezogen und haben uns wunderbar wohlgefühlt“, schwärmt Heinz-Rüdiger.

1971 wurde der Versuchsbau-Entwurf von Richard Gottlob und Horst Klement sogar im bundesweiten Wohnungsbauwettbewerb prämiert. Das nicht ohne Grund: Was den 75-Jährigen besonders an seiner Wohnfläche von 112 Quadratmetern reizte, war der verstellbare Wohnraum „Das war irre. Wir konnten die Holzwände mit einer Stärke von 4 Zentimeter je nach Gusto verschieben und unseren Wohnraum so gestalten, wie wir das wollten. Auch der sogenannte Gelsenkirchner Balkon, bei dem man die Äußenwände zu einem Wintergarten aufklappen konnte, war eine Besonderheit und hat mich tagtäglich fasziniert“, schmunzelt der Dorstener. In den 5 Jahren, die er im Habiflex verbrachte, hat er auch das Lebensgefühl sofort gemocht. Als er mit seiner Frau einzog, wurden die zwei super von den Nachbarn aufgenommen und ihnen wurde sogar beim Umzug geholfen. Gemeinsame Grillfeste, Ausflüge in den Wald und ein offenes Bücherregal, an dem sich jeder Bewohner bedienen konnte waren angesagt. „Diese offenherzige Wohnsituation ist natürlich auch nicht jedermanns Sache aber uns hat es sehr gefallen“, betont er.

Das Naturbelassene an Habiflex wusste Heinz-Rüdiger während der Jahre auch sehr zu schätzen. Um das Gebäude herum war es sehr ruhig und Heinz-Rüdiger konnte oft bei einem Spaziergang im Wald entspannen. „Die Marienkäfer, Sträucher, Pflanzen und Bäume rundherum waren toll. Seitdem setze ich mich auch sehr mit der heimischen Natur auseinander und betrachte viele Dinge ökologischer“, so der gebürtige Herner. So schön ihm das Habiflex auch gefallen hat, musste er mit seiner Frau nach fünf Jahren dann ausziehen, da die beiden ihr erstes Kind erwarteten und dadurch mehr Platz benötigten. Seit 2008 ist auch das Habiflex nicht mehr bewohnbar. Es wurden physikalische Baumängel, wie die undichten Wände oder die mangelnde Isolierung im Winter festgestellt und der Zutritt zum Gebäude wird mittlerweile verhindert. Für Heinz-Rüdiger ist das schade: „Ich hätte Interesse daran gehabt, das Habiflex als Ruine oder Baudenkmal zu erhalten, aber da beiße ich auf Granit. Viele betiteln es nur noch als Schrottimmobilie“, beteuert der Dorstener. Heute zeigt der 75-Jährige noch manchmal anderen Menschen das Gebäude Habiflex, wenn er sie durch den Stadtteil führt. Nebenher engagiert er sich ehrenamtlich in der Wulfen-Konferenz und läuft gerne Halbmarathon in den verschiedensten Städten. Heute denkt er gerne an die Zeit zurück und ist froh, dass er mal in so einem Unikat wohnen durfte.

 

Schlüsselmoment Alina Haarnagell„Ich liebe es meine Erfahrungen weiterzugeben“

So schwärmt die 20-Jährige Alina Haarnagell von ihrem Ehrenamt beim Jugendgremium Dorsten „Jugend in Aktion“. Seit 2014 ist sie erst als erste Vorsitzende und später dann als Vorstandshilfe und Beratung tätig. Als unparteiisches Jugendparlament haben sie und die anderen Mitglieder die Aufgabe, für die Jugend da zu sein und sie in verschiedenen Gremien zu vertreten „Wir haben ein Rederecht im Jugendausschuss, besprechen in Sitzungen unsere Punkte und stimmen gemeinsam ab“, so die Studentin.

Nachdem damals in ihrer Gesamtschule Wulfen Wahlplakate vom Jugendgremium aushangen und ihre Freundin sie darauf aufmerksam machte, hatte Alina den ersten, etwas politischeren Berührungspunkt mit dem Ehrenamt. So durfte sie auch die kommunale Politik besser kennenlernen und hat zusammen mit den anderen Gremien ein Planspiel zur Europawahl auf die Beine gestellt „Viele haben keine Lust zu wählen oder kennen die politischen Strukturen nicht. Unsere Aufgabe ist es dann, sie zu motivieren und zu verdeutlichen, wie wichtig Partizipation ist“, betont die Dorstenerin. Besonders interessant für sie war auch das Projekt „Mein Dorsten – Meine Stadt“, bei dem sie drei Jahre lang etwas zusammen mit jungen Flüchtlingen unternommen hat. „Wir haben gefragt, was sie von Dorsten sehen wollen und haben tolle Ausflüge gemacht: Wir waren Bowlen, Eislaufen, auf dem Kettler Hof oder haben gekocht. Hierbei haben wir die andere Kultur kennengelernt und auch typisch deutsche Gerichte gekocht. Das war ein Multikulti-Highlight“, lacht die 20-Jährige. Ein weiteres Highlight für Alina war es, als sie den Bürgermeister Tobias Stockhoff einen Tag begleiten durfte und in seine ganzen Aufgabenfelder hineinschnuppern konnte.

Am Ehrenamt liebt sie, dass sie dort ihre Stärken einsetzen kann, ihre Erfahrungen weitergeben kann und neue Leute kennenlernen darf „Es macht Spaß sich mit den anderen auseinanderzusetzen und das Ergebnis davon zu sehen, was man auf die Beine gestellt hat“, so die Hervesterin. Alina schätzt vor allem den persönlichen Kontakt mit den Jugendgremiumsmitgliedern von anderen Städten, mit denen sie sich austauschen kann oder mit ihnen thematische Ausflüge macht, wie beispielsweise zum Anne-Frank-Haus. Besonders in ihrem Turnverein, in dem sie auch ehrenamtlich tätig ist, stellt sie immer wieder fest, wie wichtig das Ehrenamt ist: „Wenn es keine Trainer mehr gibt, gibt es auch keinen Sport mehr. Man kann den jüngeren Tipps geben, Erfahrungen vom Wettkampf teilen und ihre Persönlichkeit stärken“, erzählt Alina stolz. Aktuell ist Alina, die nebenher auch noch in Paderborn Philosophie und Deutsch auf Lehramt studiert, mit dem Ehrenamt sehr ausgelastet. Sie möchte dennoch dem Jugendgremium treu bleiben, indem sie weiterhin versucht neue Leute zu motivieren und die Partizipation in ihrer Stadt weiter anzukurbeln. Sie möchte keiner Partei beitreten, da sie sich nicht zu 100% sicher ist und lieber neutral bleiben will. Den Schlüsselmoment bzw. das Gefühl mit dem Ehrenamt im Jugendgremium und im Turnverein erlebt sie immer wieder neu, wenn sie mit den Menschen zusammenarbeitet.

Schlüsselmoment Dominik Königshausen„Ich möchte mir ein Leben aufbauen, von dem ich keinen Urlaub brauche“

So spricht der studierte Maschinenbauer Dominik Königshausen von seinem Lebensentwurf. In den letzten Jahren hat er gemerkt, dass alles in seinem Leben wie Puzzleteile ineinanderpasst und er seinem Ziel, eigenständig zu arbeiten immer näherkommt. Angefangen hat es damit, dass er nach seinem Maschinenbau-Studium in Aachen ein altes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1898 in Dorsten gekauft hat. Seit einiger Zeit sind er und seine Freundin dabei, das Haus zu sanieren und bieten nun unter dem Namen Königskotten Planwagentouren für Geburtstage, Junggesellenabschiede, Hochzeiten und Vereinsfahrten an.

„Die Touren sind wirklich stark gefragt. Alle Altersgruppen von Jugendlichen über Familien bis hin zu den etwas Älteren fragen bei uns an. Die Tour geht mindestens zwei Stunden und die Strecken durch die Natur Dorstens sind auch frei wählbar. Nach Wunsch holen wir die Leute auch von zu Hause ab“, erklärt der 28-Jährige. Er selbst fährt die Touren mit seinem Traktor. „Manche Gäste sind ruhiger, manche auch total euphorisch. Ich kann natürlich nicht mittrinken, weshalb ich manchmal dann den Spielverderber geben muss und die Leute darauf hinweise, dass sie sich hinsetzen sollen“, grinst Dominik. Nach Bedarf und Anlass werden die Planwagen auch schön für die Gäste geschmückt. „Bei Frauen ist das sehr angesagt. Für Männer sind Kissen und Lichterketten eher störend. So verschieden sind die Geschmäcker“, lacht der Kirchhellener.

In dem einen Jahr, in dem die Idee des Königskottens gereift ist, hat sich Dominik auch schon spezielle Angebote für seine feierlustigen Kunden ausgedacht. So bietet er seit einiger Zeit ein Kombipaket in Kooperation mit dem Kanuverleih Lippepiraten an. Dabei werden die Leute zum Startpunkt der Lippe gefahren, erleben dort eine mehrstündige Kanutour, werden von da wieder abgeholt und lassen den Abend anschließend mit gemütlichem Grillen auf dem Platz des Königskottens ausklingen. „Für uns ist das der perfekte Tag. Die Kooperation mit Jan Verholt von den Lippepiraten kam zu Stande, als wir uns auf dem Markplatz bei einem Bierchen darüber austauschten, was der jeweils andere macht. Dann kam uns die Idee Land mit Wasser zu kombinieren“, so Königshausen. Die zweite originelle Idee, mit der sich Dominik von den anderen Planwagenfahrten abhebt, ist die sogenannte Single-Tour, die er sich mit seiner Freundin ausgedacht hat. Hier können sich jeweils zehn Frauen und zehn Männer anmelden und sich auf einer Planwagenfahrt ganz ungezwungen kennenlernen „In Zeiten von Online Dating Apps, wollen wir zurück zu den Wurzeln, sodass sich die Leute wieder live gegenüberstehen. Natürlich ist die Hemmschwelle, sich für so eine Tour zu melden, groß, aber das Interesse ist da“, betont der 28-Jährige Konstruktionsingenieur.

In Zukunft will Dominik einführen, dass diejenigen Pärchen, die nach der Tour ein Paar geworden sind, auf eine Pinnwand mit den Erfolgsgeschichten aufgelistet werden. Dominik ist sehr zufrieden wie es gerade läuft. Er kommt seinem Traum, sich eigenständig etwas aufzubauen, immer näher. Vor ein paar Jahren hat es bei ihm Klick gemacht und mittlerweile hat er ziemlich konkrete Vorstellungen von seinem Leben. Er möchte nicht wie im Hamsterrad von morgens bis abends arbeiten, sondern ein Leben führen, von dem er keinen Urlaub braucht. Mit dem Königskotten und seinem alten Schmuckstück, dem Fachwerkhaus, ist er auf dem besten Weg dahin.

Schlüsselmoment Daniela Holste„Alleine schmeckt's nicht“

In dem einen Jahr, in dem sich Daniela Holste schon bei dem Ellerbruchtreff engagiert, hat sie viel gelernt. Einer der wichtigsten Sachen: dass Gemeinschaft doch so viel schöner ist als Einsamkeit. In dem Ellerbruchtreff, der ein Treffpunkt für Anwohner aus verschiedenen sozialen Gruppen darstellt, organisiert die hauptberufliche Bäckereiverkäuferin zusammen mit ihrem Team die jährlichen Feste wie Sommer-, Frühlings-, Winterfeste sowie das zweimal in der Woche stattfindende Frühstück. Die Tür im Ellerbruchtreff steht wirklich jedem offen: Die kleinen Gäste, die meistens mit ihren Eltern kommen, haben eine extra Spielecke, während die Erwachsenen an einem großen Tisch zusammenkommen können.

Zusammenkommen ist hier auch das Stichwort: Sinn und Zweck des Treffs ist es, dass die Menschen sich nicht so alleine fühlen, sich kennenlernen und auch ruhig mal von ihren Sorgen erzählen können. „Es ist so ein schönes Gefühl, wenn die Leute dich nach Rat fragen, sei es nach Erziehungstipps oder wenn sie einen wichtigen Brief bekommen haben und nicht wissen, wie sie reagieren sollen“, erzählt Daniela stolz. Daniela blüht in ihrer Arbeit auf. 2005 ist die alleinerziehende Mutter nach Dorsten gezogen und musste auch erstmal neue Kontakte knüpfen. Zu dieser Zeit hatte die Dorstenerin schon vom Ellerbruchtreff gehört, aber sich nie getraut einfach mal hinzugehen. Mittlerweile hat sie dort ihre beste Freundin Marina dazugewonnen und viele neue Leute kennengelernt, die sie ins Herz geschlossen hat. „Die Dankbarkeit der Menschen hier baut mich total auf. Ich helfe so gerne, wenn ich sehe wie die Leute sich direkt leichter fühlen, wenn sie mir ihre Probleme anvertrauen“, so Daniela Holste. Ihre Kollegen sind alle sehr froh darüber, dass Daniela mit ins Boot eingestiegen ist. Seitdem die Dorstenerin hier ist, sind die Feste viel intensiver geworden und die Organisation dieser besser.

Dass Daniela einen super Job macht sehen aber nicht nur ihre Kollegen so: Deshalb wurde sie mit ihren Kollegen zur Ehrenamtsgala eingeladen und zusammen haben sie dort eine Ehrenamtsauszeichnung bekommen. „Ich konnte das erst gar nicht glauben, aber es war so schön, dass mal anerkannt wurde, wie viel wir leisten. Da war ich total mit Stolz erfüllt“, schwärmt Daniela. Mittlerweile ist der Ellerbruchtreff in aller Munde. Das findet die Ehrenamtlerin toll und wünscht sich, dass in Zukunft noch mehr Leute von dem Treffpunkt erfahren und einfach mal ganz unbefangen vorbeischauen. So wie sie es selbst damals getan hat.

Schlüsselmoment Dietmar Steuer„Ich habe Perspektiven eingenommen, die ich mir gar nicht erträumen konnte“

So spricht der Diplomingenieur von seinen Erfahrungen mit der ehrenamtlichen Stadtteilarbeit. Per Zufall, durch eine Nachbarin wurde Dietmar Steuer damals aufmerksam auf das Stadtteilbüro und Joachim Thiehoff, der dort die ehrenamtlichen Aktivitäten in Dorsten koordinierte. Als Dietmar dann im Stadtteilbüro noch Marion Taube traf, die gerade den Lippe-Polder-Park vorbereitete, war er noch mehr bestärkt sich einzubringen. So widmete er sich dem Ellerbruchtreff, einem Treffpunkt für Anwohner aus verschiedenen sozialen Gruppen. „Ich bin früher immer dort vorbeigejoggt und hatte keine Beziehung zu diesem Ort. Mittlerweile kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass ich da nicht mehr tätig bin“, lacht Dietmar.

Doch anfangs war das gar nicht so selbstverständlich: Dietmar hat sich zunächst nicht wohlgefühlt und wurde erst nach einem drei viertel Jahr so richtig von den Leuten angenommen. „Ich komme einfach aus einer ganz anderen Lebenswelt. Ich durfte studieren, habe Frau, Kinder und ein Haus und hatte somit nie finanzielle Sorgen. All diese Menschen wurden schon sehr oft vor den Kopf gestoßen von Leuten, die glauben sie seien etwas Besseres“, sagt Dietmar nachdenklich. Umso schöner ist es jetzt für Dietmar, dass die Menschen aus dem Ellerbruchtreff ihm so viel Vertrauen schenken. Zusammen frühstückt er mit ihnen, trinkt Kaffee und hilft hin und wieder mal den älteren Menschen einen Brief zu formulieren. Auch er kümmert sich in Kooperation mit der mobilen Jugendhilfe um die Organisation der Stadtteilfeste, Nikolausmärkte oder aber dem Heiligen Abend im Ellerbruchtreff „Heilig Abend ist immer sehr emotional. Ob es nur schön ist weiß ich nicht, aber ich schätze es sehr, dass meine Frau das mit mir mitmacht“, so Steuer.

Dietmar ist es wichtig, dass er nicht zu viel macht, denn er möchte eine ganz bestimmte Hilfe leisten „Ich stelle nur eine Ressource dar und dann müssen sie selbst aktiv werden. Das Ziel ist es, dass sie ohne fremde Hilfe zurechtkommen“, so der ehemalige Prokurist eines großen Wohnungsunternehmens, der zeitgleich Geschäftsführer zweier kleineren Wohnungsgesellschaften in Marl und Berlin war. Der Dorstener hat nach seinem Berufssauscheiden einen ganz anderen Bezug zu Dorsten bekommen. „Ich habe heute erst begriffen wie toll es ist an der Lippe zu wohnen, was für einen wunderschönen Marktplatz wir haben oder welche Dynamiken in Dorsten entstanden sind. In keiner anderen Stadt wird man so gehört wie hier. Die Bürgerbeteiligung ist spürbar an allen Ecken und Enden“, erzählt der Hervester stolz. Für die Zukunft wünscht sich Dietmar Steuer, dass er noch ganz lange mit den Menschen zusammenarbeiten kann, denn diese Aufgabe macht ihm undenklich viel Spaß.

Schlüsselmoment Barbara Hüttermann„Im April 2007 wurde mein Traum wahr“

So schwärmt Barbara Hüttermann von dem Tag als sie ihre erste, eigene Hardter Cafe-Tante eröffnete. Dazu bewegt hat sie ein verrückter Traum, den sie im November 2006 in einer Nacht hatte. Nachdem sie geträumt hat, ihr eigenes Café eröffnet zu haben, hat sie sofort ihren Freunden und Bekannten davon erzählt und die Reaktionen waren nur positiv. „Sie haben mir alle gesagt: Mach das doch. Da habe ich dann ernsthaft mit dem Gedanken gespielt“, grinst Barbara. Als dann noch ein Friseur um die Ecke im darauffolgenden Monat den Salon schloss, war auch der perfekte Ort für ihr neues Café gesetzt. Barbara rief den Vermieter an, baute den Laden Schritt für Schritt in Eigenregie um und eröffnete ihn anschließend.

Die 63-Jährige Hobby-Konditorin bietet von selbstgemachten Torten aller Art über Waffeln bis hin zum Frühstück, alles für ihre Gäste an. Bei der Zubereitung ihrer handgemachten Eigenkreationen achtet sie besonders darauf, frische Zutaten zu verwenden und eben kein Massenprodukt herzustellen. „Ich backe wirklich noch so wie man damals gebacken hat. Meine Zutaten bekomme ich von ortsansässigen Bauernhöfen und regionalen Lieferanten. Manchmal pflücke ich auch selbst Erdbeeren oder verwende meine Kräuter aus dem Garten“, schmunzelt Barbara. Cappuccino Torte, Apfelweinschaum-Torte oder auch Joghurt Windbeutel – die beliebten, außergewöhnlichen Sorten gehen im Hardter Cafe-Tante schnell über die Theke. Meistens holt sich die gebürtige Dorstenerin ihre Inspirationen aus Zeitungsartikeln und verleiht den Rezepten ihre eigene Note. „In meiner selbsternannten Versuchslabor-Küche experimentiere ich so lange herum, bis die Torte so ist, wie ich sie gerne haben will“, so Hüttermann. Die Rezepte stammen teilweise auch von ihrer Oma oder den Gästen selbst, die auch Rezepte einreichen können.

Die Café-Gäste fühlen sich wie zu Hause in dem kleinen, schnuckeligen Café. In der familiären Atmosphäre von der Hardter Cafe-Tante bedient Barbara all ihre Stammgäste persönlich. „Wir haben immer ein offenes Ohr und wissen auch viel Persönliches über unsere Besucher. Wenn zum Beispiel ein älterer Herr mehre Tage nicht erscheint, rufen wir ihn sogar manchmal an und erkundigen uns, ob alles in Ordnung ist“, erzählt Barbara. Dass die Hobby-Konditorin Barbara gern in der Küche steht und backt, kommt auch nicht von ungefähr: Seit dem siebten Lebensjahr backt sie schon und hat als Kind jeden Sonntag für die ganze Familie eine Buttercremetorte gebacken. Jetzt kann sie ihr Handwerk bei ihrem eigenen Café anwenden. Für die Zukunft wünscht sich Barbara Hüttermann, dass sie noch ganz lange backen darf. Sie möchte unbedingt, dass die Hardter Cafe-Tante in der Familie bleibt. Sie möchte es später einmal gerne an die nächste Generation weitergeben.

Schlüsselmoment Omair Albuni„Die Natur hat mir sehr gut gefallen“

So beschreibt Omair Albuni die ersten Eindrücke, als er 2015 nach Deutschland kam. Die vielen Flüsse, Seen und generell die deutsche Kultur haben es ihm einfach angetan. Der 35-jährige lebte bis 2010 in Syrien, ist von dort aus nach Libanon gezogen und hat dort einige Jahre gearbeitet. Als der Krieg begonnen hat, war es in Libanon sehr gefährlich für Omair, sodass er nicht mehr länger bleiben konnte. Er flüchtete nach Deutschland und lebte vorerst in Mönchengladbach. Nach einem Jahr ist er nach Dorsten gezogen und konnte dort bei einer deutschen Familie in Holsterhausen unterkommen, bis er in der Dorstener Altstadt eine eigene Wohnung gefunden hatte. Hier fühlte sich Omair Albuni einfach nur wohl.

Neue Kontakte konnte er hier auch knüpfen. Der Rechtsanwalt seines Vermieters machte Omair auf eine ganz besondere Aktion aufmerksam: Die Kochgruppe ZUKUNFT. Hier wird in den Räumen des Kultur- und Begegnungszentrums Brunnenplatz mit Geflüchteten, Asylbewerbern, Migranten und auch Familien mit Kindern gekocht. Von der Planung über den Einkauf von Zutaten bis hin zur Zubereitung des jeweiligen Gerichts, machen die Teilnehmer alles in Eigenregie und bereiten Gerichte aus den verschiedensten Kulturen zu. Omair Albuni hat die Kochgruppe einfach mal spontan besucht und ist jetzt seit 2017 regelmäßig anwesend. Er liebt es zu kochen und hat so auch schon viele neue Menschen kennengelernt. Denn für den gebürtigen Syrer schweißt Kochen zusammen „Ich koche gerne Reis mit Erbsen, Linsensuppe oder auch Spinat mit Reis“, so Albuni. Besonders geholfen hat die Kochgruppe ihm beim Erwerb der deutschen Sprache. Dafür musste er viel Zeit investieren: Er belegte Deutschkurse, absolvierte die Sprachprüfung B1, lernte neue Wörter und die dazugehörige Grammatik. Doch nur in der Praxis lernt man wirklich. „Man kann keine Sprache lernen, wenn man nicht spricht und keine Kontakte hat“, so Omair überzeugt.

Für Omair Albuni hat Deutschland so viel Gutes für Ihn getan, dass er etwas zurückgeben will und sich bedanken möchte. Aus diesem Grund engagiert er sich ehrenamtlich im Altenheim. Hier will er sich auch für eine Stelle bewerben. Er liebt die Arbeit mit alten Menschen aus einem ganz bestimmten Grund: „Nach dem zweiten Weltkrieg, als in Deutschland alles vernichtet war, haben die damals jungen Leute alles wiederaufgebaut. Diese Menschen sind nun alt und haben ein Dankeschön verdient“, erklärt Omair. Für die Zukunft wünscht sich der 35-jährige Omair Albuni, dass er sein Zertifikat für die Deutschprüfung B2 schafft. Sein größter Wunsch ist es aber, irgendwann seine Familie wiederzutreffen, die momentan noch verstreut in Libanon und Syrien lebt. Er möchte dann mit ihnen zusammen in einem eigenen Haus wohnen.

Schlüsselmoment Justine David„Ich habe hier alles was ich brauche“

So fasst Justine David die Vorteile ihrer Heimatstadt Dorsten zusammen. Während die 26-Jährige diese Sätze ausspricht, schaut sie auf die Kirchturmspitze der Innenstadt und hat die Brücke mit der Schleuse hinter sich. Sie ist davon überzeugt, dass das Gesamtkonzept hier einfach stimmt. Justine David ist in Dorsten, genauer gesagt im Stadtsfeld in der Feldmark geboren. Sie hat sich schon als kleines Kind immer von den Besonderheiten Dorstens faszinieren lassen „Als wir mit der Familie unsere Verwandten im Stadtteil Hervest besuchten, sind wir immer über diese Brücke gelaufen. Damals haben mich die Schleusenlichter bei Nacht sehr beeindruckt“, schwärmt Justine. Mit vier Jahren hat sie dann in Dorsten ihre Leidenschaft gefunden: Das Schwimmen. Sie ist im SV Delphin Dorsten Mitglied geworden und hat für Wettkämpfe trainiert. Jahre später stand dann die Schule auf der Agenda: 2013 absolvierte sie ihr Abitur am Gymnasium Petrinum.

Nach diesem Meilensteil standen viele Entscheidungen an, die ihren weiteren Weg bestimmten: Ausbildung? Studium? Andere Stadt? Oder hier in Dorsten bleiben? Für viele ihrer Freunde, mit denen sie zusammen ihr Abitur gemacht hat, war die Entscheidung klar „Viele wollten in Großstädte ziehen, aber ich wusste nicht ob das auch was für mich ist. Es ist zwar mal ganz schön für ein Wochenende eine Großstadt zu besuchen, aber dann reicht es mir auch wieder“, so Justine. Sie persönlich schreckte damals die Großstadt-Anonymität ab. Für sie hat Dorsten einfach mehr Lebensqualität und vor allem mehr Lebensgefühl. Sei es die Open-Air-Gastronomie „Oude Marie“, das Altstadtfest, die Bierbörse, das Herbstfest oder der Tanz in den Mai, Justine ist angetan von den Freizeitangeboten ihrer Stadt „Ich merke auch wie Dorsten mit den Generationen mitgeht, weil die Stadt auch viel für jüngere Menschen anbietet. Tatsächlich ist es auch so, dass die jungen Leute aus den großen Städten alle langsam wieder zurückkehren“, lacht Justine.

Ein Highlight für sie war letzten Sommer definitiv das Dorstener Festival „Hinter’m Kornfeld Rechts“, an das sie positive Erinnerungen hat. Im Sommer geht die 26-jährige gerne im Kanal schwimmen, macht Radtouren, geht in der Stadt in ihren Lieblingsläden shoppen oder besucht die nahegelegenen Kneipen. An Tagen, an denen Justine mal Ruhe braucht und den Kopf frei kriegen will, geht sie gerne im Wald spazieren. Für sie ist das eben die perfekte Mischung aus Stadtleben und Natur. Justine David arbeitet mittlerweile als Firmenkundenbetreuerin bei der Sparkasse und hat gerade ihren Betriebswirt gemacht. Für die Zukunft wünscht sie sich weiterhin Zufriedenheit und Ausgeglichenheit „Ich fühle mich pudelwohl in Dorsten“, grinst die 26-Jährige.

Schlüsselmoment Marcel Bromberek„Wir haben uns anfangs nicht gemocht“

So beginnen bekanntlich die besten Freundschaften. Zumindest war das bei Marcel Bromberek so, als er Drummer Kristian Fuldner im Kindesalter kennenlernte. Obwohl die beiden sich nicht ausstehen konnten, teilten sie Leidenschaft zur Musik. Sie fingen an die Toten Hosen zu hören, haben im Fahrradschuppen geprobt und ihr Schlagzeug aus Mayonnaisen-Eimern gebaut. Die damals 14-Jährigen Musiker mussten auch erstmal ihrem Image als Rock-Band gerecht werden: So sind sie aus ihrem Proberaum in Hervest geflogen, weil sie sich mit einem Feuerlöscher gejagt haben. „So ein Mist gehört auch dazu“, lacht Marcel. Im Januar 2006 war es dann soweit: Die sechsköpfige Band aus Posaune, Trompete, Bass, Drums, Gitarre und Gesang wurde gegründet. Schnell musste ein Name her „Wir wussten nicht wie wir heißen sollen also haben wir den Duden aufgeschlagen und es kam Horizontal heraus. Das fanden wir doof, also haben wir es auf Vertikal geändert“, lacht der 28-Jährige Marcel.

Marcel selbst, der von seinen Freunden meistens Töle genannt wird, hat im Alter von sechs Jahren angefangen Gitarre zu spielen – erst akustisch, dann aber dann ganz schnell elektrisch. „Hauptsache laut war mein Motto“, schmunzelt Töle. Die deutschsprachige Rockband, die von musikalischen Einflüssen wie den Toten Hosen, den Ärzten oder Farin Urlaub geprägt ist, hat sich in und um Dorsten einen Namen gemacht. Einer der bedeutendsten Auftritte für sie, war das Dorstener Event „Heimspiel“ im Treffpunkt Altstadt vor vier Jahren. „Es war wirklich komplett ausverkauft. Uns wurde gesagt, dass in der Geschichte des Treffpunkt Altstadt noch nie so viel Bier verkauft wurde“, so Töle stolz. Besonders dankbar, für diesen Auftritt und noch viele weitere in Dorsten, ist Vertikal dem Veranstalter Christian Joswig und seiner Frau Peti Joswig, ohne die Vertikal heute nicht da wäre wo sie sind. Ob als Vorband der bekannten Alternative-Rock-Band Donots, auf dem Red Balloon Festival am Leo oder auf dem Open-air Festival Rock am See, Vertikal ist überall auf der Bühne präsent.

Doch ein Highlight bleibt Marcel noch ganz lange in Erinnerung: Der Auftritt bei der Prosieben Show Circus Halligalli mit Joko und Klaas. „Wir haben so viele Eindrücke erlebt, so etwas vergisst man nicht“, schwärmt der Sänger. Fernsehmoderator Klaas hat Töle und seine Band Vertikal eingeladen, weil ihm ihre direkte Ruhrpott-Art gefiel. Einen Tag darauf haben sich die sechs Freunde eine Kneipe gemietet und es ordentlich krachen lassen. Ihr Auftritt hat Vertikal eine Menge Aufmerksamkeit gebracht – Zu dieser Zeit konnten sie sogar schon ihr erstes Album in die Kamera halten. Am Entstehungsprozess der Songtexte ist die ganze Band, sprich Töle, Kristian, Marek, Dan, Nico und Felix beteiligt und die Themen, die sie darin aufgreifen sind ganz verschieden „Wir versuchen den Spagat zwischen Freude und Melancholie hinzubekommen. Aber meistens werden unsere Songs tanzbar“, lacht Marcel. Für die Zukunft wünscht sich Töle, dass Vertikal wieder da anknüpfen kann, wo sie aufgehört haben. Neue Songs und neues Material stehen in den Startlöchern und nach der Corona-Krise möchten sie einfach wieder spielen, spielen, spielen.

Schlüsselmoment Peti Joswig„Die Menschen sprechen heute noch davon“

So beschreibt Peti Joswig das zweitägige Open-Air-Event „Dorstival“ mit einem Leuchten in den Augen. Ganze vier Mal fand das Festival auf der 60 Meter hohen Hürfeldhalde statt und verzauberte die Leute. Angefangen in 2009 mit lokalen Bands und selbst aufgebauten LKW-Hängern, entpuppte sich das Fest 2013 zu einem riesigen Event mit 15 namhaften, teilweise internationalen Bands, einer riesigen Bühne und einem Zeltlager. Auch Menschen von weiter weg, wie z.b. aus Bayern, zog es zum „Dorstival“ hin. Die Idee, die 12.000 Quadratmeter große Halde als Veranstaltungsort nutzen zu können, hatte Christian Joswig zusammen mit Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst und dem Rockforum ausgearbeitet „Wir haben ganz klein angefangen und dann wurde es immer bekannter, bis es ein Selbstläufer war“, lächelt Peti, die ihren Mann stets bei Veranstaltungen unterstützt und selbst ein großer Musikfan ist.

Besonders gut kann sie sich an das Veranstaltungsjahr 2010 erinnern. An diesem Wochenende stimmte einfach alles für das Ehepaar „Es waren über 30 Grad und es war ein unglaubliches Feeling als später die Abendsonne über der Halde stand. Als die Leute von THW, Feuerwehr und Polizei auf ihren Fahrzeugen saßen und mitgefeiert haben, war das wirklich ein magischer Moment“, schwärmt die 55-Jährige. So magisch, dass sie sogar eine Träne verdrücken musste. Peti Joswig ist ein wahrer Musikmensch. Sie hat durch die vielen Veranstaltungen, die ihr Mann organisiert, viel mit jungen Bands zu tun und übernimmt auch gerne mal die Werbung für die regionalen Musiker via Facebook oder Instagram „Es ist so schön mit so vielen jungen Menschen zusammen zu sein, das hält jung.“ Für viele der Musiker sind wir schon so etwas wie „Mama und Papa“, lacht Peti. Ihr musikalisches Highlight auf dem „Dorstival“ war für sie, als Fan des Musikgenres „Rock“, vor allem die befreundete Band Vertikal. „Von Metal über Rock bis hin zu Blues, war jede Musikrichtung beim „Dorstival“ auf der Bühne vertreten. Auch das Publikum war bunt gemischt, von Jung bis Alt, waren alle dabei“, so die Wulfenerin.

Insgesamt 6.000 Leute haben an dem heißen Sommerwochenende auf der Halde friedlich miteinander gefeiert, getrunken, gegessen, an den Merchandise-Ständen vorbeigeschaut oder sich von der Musik entertainen lassen „Wir hatten schon richtig musikalische Größen bei uns, wie u. a. Extrabreit, Leningrad Cowboys, die Killerpilze oder auch Knorkator, deren Sänger damals in einem aufblasbaren Ball über das Publikum hinweg balancierte. Bands aus Amerika, Polen und England waren auf der Halde zu Gast“, erzählt Peti stolz. Nach dem „Dorstival“, das 2013 leider zum letzten Mal stattfand, freute sich Peti eigentlich nun auf die „kleinere“ Version des Dorstivals, das „Red Ballon Festival“ am Leo, das wegen Corona in diesem Jahr aber leider ausgesetzt werden muss. Sie liebt das Kunst- und Kulturprogramm rund um Dorsten und freut sich besonders, wenn sie es irgendwann nach Corona wieder aller gemeinsam genießen können. „Das wird einmalig“, lacht sie.

Schlüsselmoment Jessica Kentrup„Das war auf jeden Fall ein wunderschöner, unvergesslicher Tag“

So schwärmt Jessica Kentrup von ihrer traumhaften Hochzeit. Am 2. Oktober 2019 schlossen Jessica und ihr Ehemann Fabian Kentrup standesamtlich im alten Rathaus den Bund der Ehe. Drei Tage später gab sich das Dorstener Paar auch in der St. Matthäus Kirche in Wulfen das Ja-Wort. Dabei war es ein paar Jahre vorher noch gar nicht denkbar gewesen, dass die Zwei einmal vor dem Altar stehen werden. Kennengelernt haben sich Fabian und Jessica im Jahr 2011 über Freunde. In einer Hütte auf der Geburtstagparty von ihren Freunden Nina und Andre haben sie zum aller ersten Mal miteinander gesprochen. Richtig gefunkt hat es bei Jessica aber erst später. „Bei meinem Mann war es schon Liebe auf den ersten Blick, bei mir nicht. Ich habe etwas länger gebraucht“, lacht Jessica.

Doch dann war es am 07.09.2011 so weit. Ihr Mann ist bereits seit dem Jahr 2007 in der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Davon war Jessica so angetan, dass sie 2015, ebenso wie ihr Mann, in die freiwillige Feuerwehr eingetreten ist. „Ich wurde von meinem Löschzug „Dorf Hervest“ und auch bei den Kameraden und Kameradinnen meines Mannes im Löschzug „Wulfen“ herzlich aufgenommen“, erzählt sie zufrieden. Nach sieben Jahren Partnerschaft der beiden gebürtigen Dorstener hat dann ihr Mann Fabian um ihre Hand angehalten. Bei der Maibaumparty im Jahr 2018 ging er auf die Knie. Nach dem Antrag konnte Paar nicht länger warten und hat sich direkt um einen Termin für die Hochzeit gekümmert. Da Fabian und Jessica im Sommer 2019 noch den Abschluss des Throns vom Schützenverein Dorf-Hervest hatten, haben sie sich bewusst für einen Termin im Oktober entschieden.

Der Oktober hatte es, wie erwartet in sich: Die kirchliche Hochzeit in der St. Matthäus Kirche war das Highlight für die Beiden. Über die Feuerwehrkameraden, die vor der Kirche Spalier standen, war Jessica besonders erfreut „Dass die Kameraden Spalier stehen, ist zwar eine alte Tradition, aber mit so vielen Kameraden und Kameradinnen haben wir wirklich nicht gerechnet. Das war schon ein überwältigendes Gefühl“, so Jessica. Von den Kameraden wurden die Hervester reichlich beglückwünscht und haben eine Rose für ihren Garten und eine Erinnerungsflasche geschenkt bekommen. Abends ging es dann zur Hochzeitsfeier über, die im Jägerhof Einhaus stattfand, eine Gaststätte im Dorf-Hervest. „Die Hochzeitsfeier war einfach mega. Eine wirklich tolle Feier mit super Leuten. Die Party wurde gerockt“, lacht Jessica. Flitterwochen hatte das Paar nicht wirklich. Nachholen wollten Jessica und Fabian das eigentlich in den Osterferien und nach Amerika fliegen. Das hat wegen Corona dann leider nicht geklappt. Für die Zukunft wünscht sich das Paar weiterhin viel Freude am Leben und, dass die Liebsten um sie herum immer gesund und glücklich bleiben.

Schlüsselmoment Heribert Triptrap „Dann wurde erstmal gefeiert“

So beschreibt Heribert Triptrap den Moment, als seine Gruppe „Feierabend-Bier“ bei dem Jubiläumsfest in Rhade den Preis für die beste Tisch-Deko gewonnen hat. Bei dem zweitägigen Festwochenende vom 24. bis 25. Juni 2017 wurde der 800. Geburtstag von Rhade auf einer großen Festwiese gefeiert. 850 Besucher erlebten am Samstag eine Dorfolympiade und am Sonntag ein historisches Picknick mit Frühstück. Für das Picknick haben sich Heribert Triptrap und seine Crew „Feierabend-Bier“, bestehend aus 25-30 Leuten, etwas ganz Besonderes überlegt. Die Gruppe um Heribert hat ihre Kreativität spielen lassen „Für uns war sofort klar, wie wir unseren Tisch dekorieren werden“, lacht er.

Da die Truppe schon früher immer Jugendlagerfahrten gemacht hat und sich seit 1988 von einer Fahrt ins Zeltlager in Italien kennt, war die Dekoration im Camping-Gewand klar. „Wir haben alles grün dekoriert, haben Wäscheleinen gespannt und alte Fotos von früheren Lagerfahrten aufgehangen“, erklärt der 45-Jährige. Heribert, der bis 2000 noch in Schermbeck wohnte, ist durch seine Frau in die Gruppe reingerutscht. Damit gerechnet, dass sie tatsächlich gewinnen würden, haben sie nicht und waren somit umso glücklicher als Bürgermeister Tobias Stockhoff den Gewinner verkündete. „Der Preis war eine drei Liter Magnum-Flasche und ein Präsentkorb. Wir haben uns sehr gefreut. Das ganze Event war so toll, man hatte das Gefühl von einer großen Zusammengehörigkeit“, strahlt der Dorstener. Für den 45-Jährigen ist Gemeinschaft sehr wichtig: So konnte er die Freundschaft zur Truppe bis heute aufrechterhalten. Mit einem Treffen einmal die Woche im Sommer, einer jährlichen Stammtisch-Tour z.B. nach Berlin, Münster oder Oberhauen oder aber einem selbstorganisierten Weihnachtsmarkt, sind sie sehr aktiv. „Im Sommer treffen wir uns am Samstag nach Feierabend im Garten und quatschen“, erzählt er.

Heribert selbst blickt nur positiv auf das damalige Festwochenende zurück: Für ihn ist besonders der Weg dorthin mit den Vorbereitungen so schön. Im Vergleich zu anderen Festen hatte das Organisations-Team der Arbeitsgruppe 800 Jahre Rhade (entstanden im Bürgerforum Rhade), bestehend aus 14 Leuten, nur ein Jahr Vorlaufzeit. „Das ist wirklich beeindruckend, wie die Arbeitsgruppe das Fest gewuppt und eine Vielzahl an Einzelpersonen und Vereinen eingebunden hat. Da können sie echt voller Stolz zurückblicken“, so Heribert Triptrap. Heribert lebt bereits 20 Jahre in Rhade und fühlt sich sehr wohl hier. „Ich würde sagen, Rhade ist ein Dorf des zweiten Blickes. Wer nur die Durchfahrtstrasse sieht, erkennt nicht, was Rhade sonst noch bietet“, grinst der 45-Jährige Familienvater. Als er sich auf den Stadtteil eingelassen hat, hat er die schönen Ecken entdeckt und ganz schnell Anschluss gefunden.

Schlüsselmoment Hans Kratz„Das traf genau das, was ich schon immer machen wollte“

So erzählt der Dorstener Hans Kranz von seiner Reaktion, als Bürgermeister Tobias Stockhoff ihn gefragt hat, ob er denn Parkbürgermeister vom Bürgerpark Maria Lindenhof sein möchte. Das oberste Ziel dieses Projekts ist es, den rund 40 Jahren alten Bürgerpark neu zu gestalten und wieder zu beleben. Da musste der ehemalige Schulleiter nicht lange zögern: Nach seiner Pensionierung in 2016, suchte er nach einem geeigneten Betätigungsfeld für sich und fand genau seine Leidenschaft „Bei der Arbeit bin ich viel draußen, kann viele meiner bunten Ideen umsetzen und neue Kontakte knüpfen“, so Kratz. Seine Begeisterung für den Naturraum kommt auch nicht von ungefähr: An seiner alten Gesamtschule in Wulfen, hat er sich schon für die Natur eingesetzt. So hat er beispielsweise dafür gesorgt, dass der große, eigene Schulgarten bewirtschaftet blieb und hat im schuleigenen Bach ein Wasserrad installiert. „Ich beschäftige mich sehr stark mit dem Thema Klimawandel. Ich bin auch ein großer Greta Thunberg-Fan, das ist wirklich mein großes Anliegen“, schwärmt Hans.

Für dieses Anliegen setzt er sich auch mit vollem Tatendrang ein: Der Auftakt des Bürgerparks am 11. Mai war bereits ein voller Erfolg – Jeden Freitag und Samstag, über vier Monate lang, sind im Amphitheater der Oude Marie rund 60 Künstler*innen von Kabarett-Gruppen über Poetry Slammer bis hin zu Chören und Reggae Musikern, aufgetreten „Der Reggae-Abend war mein absolutes Highlight. Generell haben wir sehr viele positive Rückmeldungen zu den Events bekommen. Die Programmhefte wurden uns förmlich aus der Hand gerissen und die Menschen haben sich bei einem Glas Wein einfach mal auf etwas neues, außergewöhnliches eingelassen“, erzählt Hans Kratz zufrieden.

Mit den Kooperationspartner der Dorstener Arbeit, des Stadtteilbüros Wir machen MITte, des Altenzentrums Maria Lindenhof, der Agentur Schaukelbaum und der Stadt Dorsten, will der Verein Bürgerpark, mit dem Baubeginn im Mai 2020, eine Runderneuerung starten: Neue Bäume sollen an verschiedenen Stellen gepflanzt werden, ein großer Spielplatz soll gebaut werden und eine nachhaltige Parkinfrastruktur durch Sitzmöglichkeiten und Fahrradabstellplätze soll etabliert werden. Diese Arbeit macht Hans Kratz nicht nur unglaublich Spaß, sondern trägt auch Früchte: Mit diesem Projekt wurde die Stadt Dorsten als „Vorbildprojekt der Sozialen Stadt in NRW“ ausgezeichnet und geehrt „Da war man schon stolz“, strahlt er. Für die Zukunft wünscht sich Hans Kratz, dass er noch ganz lange für den Bürgerpark aktiv sein kann. Er will, dass die Events von den Dorstener*innen vielfältig genutzt werden können .„Mit diesem Bürgerpark haben die Menschen wirklich ein wertvolles Schmuckstück geschenkt bekommen.“

Schlüsselmoment Jutta Kleine-Vorholt„Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht“

Dieses Zitat benutzt Jutta Kleine-Vorholt gerne, wenn Sie voller Leidenschaft von ihrem Schlüsselmoment erzählt. Den Traum vom eigenen Café musste Sie sich einfach erfüllen. Schon in ihrer Kindheit brannte ihr dieser Wunsch auf der Seele: Mit ihrer besten Freundin hat sie schon im Kindesalter ausgemacht, dass ihre Freundin ein Hotel aufmacht und sie selbst dann die Verpflegung übernimmt. Als Jutta älter wurde, hatte sie sich tatsächlich selbstständig gemacht: Allerdings mit einer Boutique für italienische Mode. Sogar hier hatte sie schon Kaffee angeboten und merkte schnell, dass die Idee vom eigenen Café mehr in ihrem Kopf verankert war, als sie zugeben wollte.

Sie liebte es schon immer es den Leuten mit Kaffee und Kuchen nett zu machen und mit ihnen zu plaudern. Als der Freiraumplaner Hans Rommeswinkel bei einer Landschaftsgestaltung auf dem Nachbarschaftshügel sagte: „Und hier müsste dann noch ein Café sein“, war es um Jutta geschehen. Genau da hat es Klick gemacht und sie hat ihr Kisok-Café Tante Guste vor ihrem geistigen Auge gesehen. „Einfach Schicksal“, meint Jutta. Der offene Garten, der früher als Nutzgarten eingesetzt wurde und von Jutta auch damals in ihrer Kindheit nicht betreten werden durfte, verwandelte sich in einen stylischen, modernen Garten mit Wow-Effekt. „Der Garten wird echt super angenommen, alle Besucher gehen auf die Terrasse und sagen wow wie schön“, so die Café -Besitzerin stolz. Aber nicht nur der Garten ist der Grund, weswegen die Leute hier Schlange stehen: Ihre verschiedenen Torten wie die beliebte Apfel-Weintorte oder Bratapfeltorte, die nach Geheimrezept zubereitet werden, gehen am Tag mehrfach über die Theke und werden von den Gästen genüsslich bei einer Tasse Kaffee verspeist. 

Das ländliche Fleckchen, in dem das Café Tante Guste ansässig ist, scheint auf den ersten Blick etwas versteckt für die Gäste. Dabei ist es der Knotenpunkt für örtliche Wanderer und Radfahrer aus der Region. Besonders stolz ist Jutta auf eine ihrer Gäste: Und zwar handelt es sich dabei um die TV-Moderatorin der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ Simone Sombecki, die Tante Guste einen Besuch abgestattet hat und sich sehr beeindruckt zeigte. Jutta ist überglücklich mit Tante Guste. Sie wünscht sich, dass ihr Café weiterhin so positiv angenommen wird und freut sich schon auf die Zeit, wenn sich alle wieder in ihrem offenen Garten treffen und plaudern.

Schlüsselmoment Heide Göbel„Da habe ich gemerkt, dass ich etwas zurückgeben will“

So beschreibt Heidi Goebel den Moment, in dem es Klick gemacht hat. Angefangen hat es eigentlich mit einem schlimmen Ereignis in ihrem Leben: Der Tod ihres Vaters. Dennoch hat sie den Aufenthalt im Krankenhaus zum Lebensende ihres Vaters als sehr positiv wahrgenommen: „Wir konnten die ganze Nacht bei ihm sein und er konnte wirklich würdevoll sterben“, so Heidi. Hier hat sie gemerkt, dass sie gerne etwas zurückgeben möchte. Zunächst engagierte sich die Dorstenerin beim Malteser Hilfsdienst und veranstaltete alle vier Wochen einen Wohlfühlnachmittag für pflegende Angehörige. Hier konnten die Pflegenden ihren kräftezehrenden Alltag hinter sich lassen und Heidi Goebel’s offenes Ohr in Anspruch nehmen. Ein Jahr später wurde Heidi Goebel noch in den Seniorenbeirat gewählt, bis sie so zu ihrem neusten Projekt „Wir machen MITte“ gekommen ist: Momentan steckt sie ihre Energie in ihr Herzensthema dem Bürgerbahnhof von Dorsten. Ziel des Projekts ist die Aufwertung des Dorstener Bahnhofs. Gearbeitet wird besonders an der Erneuerung des Gebäudes, Gestaltung des Bahnhofsumfeld als auch an der Erneuerung der Bahnsteige und Gleisanlagen. Vor drei Jahren ist Heidi dem Projekt beigetreten und war somit von Anfang an mit an Bord der Bahnhofsfamilie: Was Sie besonders an der Planung schätzt ist, dass Bürger mitbestimmen können. Bis hierhin gab es schon mehrere Abende, wo Bürger ihre eigenen Ideen bezüglich des Bahnhofs einfließen lassen konnten. „Viele sind negativ eingestellt und sagen was willst du denn da bewegen. Doch ich bin überzeugt, wenn man seine Meinung und Wünsche äußert und wirklich etwas bewegen will, dann hier in diesem Projekt“, so Heidi überzeugt. Heidi ist auch sonst immer positiv eingestellt. Das Projekt besteht nämlich aus vielen Zeitfressern und Verzögerungen wie die Einhaltung von Denkmalschutz und Gewährleistung von Fluchtwegen und Brandschutz. Wenn auch viele sagen es passiert nichts, so bleibt sie euphorisch und aktiv. Denn Heidi Goebel und die 20 aktive Engagierten sind „Macher“ „Ich will mich nicht mit 70 Jahren zur Ruhe setzen“, so die Dorstenerin. Auf die Frage, woher ihr Drang kommt sich so einzusetzen, entgegnete sie nur „das ist einfach da“. Die Dorstenerin ist der Meinung, dass wenn sie neugierig bleibt, sie weiterhin etwas bewirken kann und sich gleichzeitig geistig fordert. Um auf den leerstehenden Bahnhof aufmerksam zu machen, haben seit 2016 mehrere Kunstprojekte stattgefunden. Unterstützt wurden sie vom Kunstverein "Virtuell/Visuell" mit verschiedenen Veranstaltungen am und im Bahnhof. Zusätzlich fand im Jahr 2018 eine Fotoausstellung von Gerhard Strötzel/Schölzbach und Doris Gerhard statt. Das letzte Projekt war dann die 140-Jahr-Feier. Zum 140-jährigen Bahnhofsfest wurden stündlichen Pendelfahrten mit dem Oldtimer-Schienenbus „Roter Brummer“, Grafitti-Workshops und auch Theatervorstellungen angeboten. Für Heidi ist das alles toll: Sie wünscht sich, dass das Projekt Bahnhof so wie es geplant ist auch durchgeführt werden kann. Denn sie möchte mithelfen, in Dorsten etwas zu bewegen.

 

Schlüsselmoment Harald Kiy „Ich habe diesen Schritt noch nie bereut“

Wenn dann jetzt – Nach diesem Motto hat Harald Kiy damals in 1998 gehandelt. Der Gedanke auf eigenständiger Basis zu arbeiten, war schon immer sehr reizvoll für ihn. Hinzu kam: Der Markt war riesig und sein damaliger Arbeitgeber befand sich im Umbruch. Auch der Standort Dorsten für sein Unternehmen stand mit den Worten „wenn dann hier in meiner Heimat“ fest. Eigentlich schon konkrete Perspektiven für einen Neustart – Doch zwischendrin klopfte das Verantwortungsbewusstsein des Vollblutdorstener an und hielt ihn zurück.

Auch die Frage nach der Finanzierung legten ihm Steine in den Weg und ließen ihn wieder zweifeln. Harald’s Können blieb jedoch nicht lange unentdeckt: Der Dorstener Unternehmer Gerd Kleinsepel wollte für seine Bäckerei eine Website kreieren und wendete sich an Harald, der sie für ihn programmierte. Mit Erfolg: Herr Kleinespel war so begeistert, dass er Harald Kiy unterstützen wollte. Nach dem Motto „Wir haben die Ressourcen, du die Ahnung“, unterstützte er ihn zusammen mit seinem Steuerberater Horst Ripa und verhalf ihn bei dem Start seiner IT-Firma sector27.

21 Jahre später hat der Unternehmer sechzig Mitarbeiter und viele, große Kunden bundesweit. Rückblickend hat er diesen Schritt noch nie bereut. Gelernt hat er in der Zeit als eigener Chef vor allem das Management und das Netzwerken. „Als Unternehmer musst du schon auf die Welt zugehen“, erklärt er. Besonders an der Branche liebt er, dass er mit so vielen jungen Menschen zu tun hat und sich die Technik so rasant entwickelt. Wenn Harald Kiy in die Zukunft blickt, würde er gerne da weitermachen, wo er momentan mit seinem Betrieb steht. Außerdem wünscht er sich, dass wenn er irgendwann mal in den Ruhestand gehen sollte, jemand sector27 mit der gleichen Passion weiterführen würde. Bis heute hat der Unternehmer und Familienvater noch Kontakt zu Gerd Kleinespel und sieht ihn hin und wieder in seinem Stadtteil Hardt. Die Dankbarkeit für diesen Anstoß bleibt.

Schluesselmomente Alexander Stroick„Ganz viele haben uns gesagt: das war genial!“

So berichtet Alexander Stroick zufrieden von dem selbst organisierten Open Air Event „Brotzeit“. Rund 800 Menschen machten sich im September 2018 mit Stühlen, Bänken und Kerzen auf den Weg zur Festwiese und brachten sich selbst Wein, Dips und Käsehäppchen mit – für eine Sommernacht der besonderen Art. Auf der eindrucksvollen Bühne war dann die Schützenkapelle Rhade zu sehen. Für Alexander war dieses musikalische Picknick ein absolutes Highlight in 2018. Das war es aber nicht nur für ihn – zahlreiche Gäste kamen auf ihn zu und lobten das gemütliche Miteinander „Ich war am Anfang zurückhaltend. Es ist wirklich schwer so ein Fest, dass bisher noch keiner kennt, langfristig zu etablieren. Doch die erste Resonanz war bombastisch. Von allen Seiten kam die Aufforderung: „Ihr müsst dieses Event noch einmal veranstalten“, erzählt Alexander. Der 38-Jährige hat es geschafft: Endlich haben auch Menschen aus anderen Ortsteilen einen Bezug zu Rhade und etwas, was Sie mit dem Ort verbinden können.Die Vorbereitungen für die „Brotzeit“ 2020 laufen schon auf Hochtouren: Getränke und Speisen, eine Strohburg für Kinder und ein Stockbrotstand sind in Planung.

Der gebürtige Dorstener ist schon seit 24 Jahren Mitglied der Schützenkapelle Rhade e.V. und hat dort auch die Trompete gelernt. Mittlerweile spielt er mit im Hauptorchester mit 70 weiteren aktiven Musikern und liebt das gemeinsame Musizieren „Wir sind eine sehr heterogene Gruppe. Der jüngste Musiker ist 8 Jahre alt und der Älteste 82 Jahre alt - und Alle verstehen sich. Das ist nicht selbstverständlich.“, schwärmt Stroick. Auch die Arbeit als erster Vorsitzender des Vereins, die er in 2019 übernommen hat, macht ihm Spaß. In dieser Rolle muss er den Überblick bewahren, die Leute zusammenhalten und den Verein mit der Vision weiterentwickeln.

Von Blasmusik und Schlager über Rockmusik und Blues bis hin zu Medleys lässt sich das Blasorchester in seinen Genres keine Grenzen setzen. Im Jahr spielt das Orchester bis zu 50 Auftritte – Ob ein Neujahrskonzert in einer vollen Sporthalle oder die Verabschiedung des Bergbaus mit einem Auftritt auf der Zeche Fürst Leopold, für Alexander Stroick ist eins wichtig: „Ich mag Auftritte die vom Standard abweichen“, erklärt er. Bei diesen Auftritten kann aber auch schon mal etwas schiefgehen: „Beim großen Zapfenstreich in Dorsten, sind alle Trompeter akkurat nach vorne marschiert, haben sich vor der Kapelle aufgebaut, den Einsatz einstimmig verpasst und nach dem Stück sind alle wieder eingetreten ohne einen Ton gespielt zu haben. Das war so verwirrend für die Zuschauer, dass keiner wusste ob das jetzt zur Show gehört oder nicht.“, lacht der 38-Jährige laut. Für die Zukunft wünscht er sich, dass das Team genau so bleibt wie es ist und alle weiterhin so sehr Spaß an der Musik zeigen „Denn die Musik bleibt immer im Fokus“.

 

Öffnungszeiten:
montags bis freitags 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr
samstags von 9.30 Uhr bis 14.00 Uhr

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